Agri-Photovoltaik weltweit: Wie Länder Doppelnutzung praktisch gestalten

Was Agri-Photovoltaik weltweit ausmacht
Agri-Photovoltaik weltweit verbindet die Erzeugung von Solarstrom mit der landwirtschaftlichen Nutzung derselben Fläche. Die Idee dahinter ist, dass Landwirtinnen und Landwirte ihre Flächen doppelt nutzen: Sie bauen weiter Kulturpflanzen an oder halten Tiere und erzeugen gleichzeitig Strom. Dabei unterscheidet sich die Umsetzung von Agri-Photovoltaik weltweit je nach Land, Klima und den rechtlichen Vorgaben deutlich. In den USA nutzten Agri-PV-Anlagen im Jahr 2020 rund 27.000 Acres und erzeugten 4,5 GW Solarenergie. Bis November 2024 wuchs die Fläche auf 60.000 Acres und die installierte Leistung auf 10 GW [1][2]. In China überschritten PV-Installationen mit zusätzlicher landwirtschaftlicher Landnutzung Ende 2021 mehr als 64 GW [3]. Italien hat ein staatlich genehmigtes Förderregime für neue Agri-PV-Anlagen mit insgesamt 1,04 GW [4]. In Frankreich regelt ein Dekret die Bedingungen für Agri-PV-Anlagen, etwa zur maximalen Bodenüberdeckung und zur Flächennutzung [5][6]. Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen und Ausbauziele in verschiedenen Ländern sind. Für die Praxis bedeutet das: Je nach Standort und Betriebsstruktur bieten sich unterschiedliche Formen der Doppelnutzung an. Im nächsten Abschnitt geht es darum, welche landwirtschaftlichen Nutzungen unter Agri-PV-Anlagen weltweit typisch sind.
Typische Formen der Doppelnutzung: Acker, Obst, Weide
Unter Agri-Photovoltaik weltweit finden sich verschiedene Formen der Doppelnutzung, die sich an den jeweiligen landwirtschaftlichen Schwerpunkten und klimatischen Bedingungen orientieren. In Regionen mit intensivem Ackerbau stehen häufig Getreide, Gemüse oder andere Feldfrüchte unter den Solarmodulen. Der Anbau läuft oft weiter wie gewohnt, wobei die Maschinenbreite und die Anordnung der Module auf die Feldarbeit abgestimmt werden. In anderen Ländern ist die Kombination von Agri-Photovoltaik und Dauerkulturen wie Obst, Beeren oder Wein verbreitet. Hier kann die Teilverschattung durch die Module je nach Kultur und Standort einen Einfluss auf Wachstum und Ertrag haben. Auch die Weidewirtschaft spielt eine Rolle: In einigen Projekten grasen Tiere wie Schafe oder Ziegen zwischen den Modulreihen, was die Flächenpflege erleichtert und zusätzliche Erträge ermöglicht. Die Auswahl der Doppelnutzung hängt stark davon ab, welche Kulturen im jeweiligen Land dominieren und wie die Anlagen konstruiert sind. So entstehen weltweit unterschiedliche Schwerpunkte in der praktischen Umsetzung von Agri-Photovoltaik. Im nächsten Abschnitt folgt ein genauerer Blick auf die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern.
Ländervergleich: Frankreich, Deutschland, Japan, USA, China, Italien
Bei einem Vergleich der Agri-Photovoltaik weltweit zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Frankreich hat mit dem Décret Nr. 2024-318 einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der klare Vorgaben für die Doppelnutzung vorgibt. Die Genehmigungsdauer für Agri-PV-Anlagen ist dort auf maximal 40 Jahre begrenzt[7]. Für große Anlagen mit mehr als 10 MWp ist die Bodenüberdeckung auf 40 % limitiert[5], und maximal 10 % der Fläche einer Parzelle dürfen durch die Anlage für die Landwirtschaft unbrauchbar werden[6]. Außerdem toleriert das Regelwerk einen Ertragsrückgang von höchstens 10 % gegenüber einer Kontrollfläche, wobei der Präfekt diesen Wert in Ausnahmefällen anpassen kann[8]. Die Landwirtschaftskammern müssen innerhalb von neun Monaten nach Veröffentlichung des Dekrets ein Rahmendokument vorlegen[9]. In Deutschland regelt die DIN SPEC 91434 die Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung bei Agri-Photovoltaik-Anlagen[10]. Das EEG 2023 sieht für besondere Solaranlagen auf Ackerflächen ohne Moorboden und mit gleichzeitiger landwirtschaftlicher Nutzung eine Förderung vor[11]. Für die kommenden Jahre sind im Ausschreibungssegment jährlich steigende Volumina vorgesehen, etwa 1.200 MW im Jahr 2026[12] und 2.000 MW im Jahr 2028[13]. In Japan wird Agri-Photovoltaik als Solar Sharing bezeichnet. Hierfür ist eine befristete Umwandlungsgenehmigung nach dem Landwirtschaftsflächengesetz nötig[14]. Die Anlagen bestehen meist aus einfachen, leicht entfernbaren Stützen, sodass die landwirtschaftliche Nutzung fortgesetzt werden kann[15]. In den USA ist die Fläche mit Agri-PV-Anlagen in den letzten Jahren stark gewachsen[2]. China hat laut einer Schätzung von Fraunhofer ISE und Tsinghua University eine sehr große installierte Leistung bei PV-Anlagen mit zusätzlicher landwirtschaftlicher Nutzung erreicht[3]. Italien fördert neue Agri-PV-Anlagen mit einem staatlich genehmigten Programm, das sowohl die installierte Leistung als auch eine Mindestjahresstromproduktion vorgibt[4]. Die Beispiele zeigen, dass Agri-Photovoltaik weltweit sehr unterschiedlich ausgestaltet ist. Im nächsten Abschnitt geht es darum, wie sich Bauweisen und Anlagendesign an die jeweiligen Bedingungen anpassen.
Bauweisen und Anlagendesign im internationalen Vergleich
Agri-Photovoltaik weltweit passt sich mit verschiedenen Bauweisen an die Anforderungen von Klima, Kulturpflanzen und Flächenstruktur an. In Japan etwa entstehen Solar-Sharing-Anlagen meist auf einfachen, leicht entfernbaren Stützen, sodass Landwirtinnen und Landwirte die Flächen flexibel weiter bewirtschaften können[15]. Diese Bauweise eignet sich besonders für kleine Parzellen und Kulturen mit niedrigem Wuchs. In Frankreich begrenzen gesetzliche Vorgaben bei größeren Anlagen die Bodenüberdeckung und die maximal unbrauchbare Fläche, was die Planung von hochaufgeständerten Systemen beeinflusst[5][6]. Solche Systeme lassen Licht und Niederschlag durch, damit Ackerbau oder Sonderkulturen unter den Modulen weiter möglich sind. In Regionen mit starker Sonneneinstrahlung und Trockenheit, wie etwa Teilen der USA, werden Agri-PV-Anlagen oft so gebaut, dass sie Schatten spenden und damit die Wasserverdunstung auf den Feldern verringern. Vertikale Modulreihen kommen dort zum Einsatz, wo Maschinenbreiten, Reihenabstände oder die Bewirtschaftung mit Großgeräten eine Rolle spielen. Die Wahl des Designs hängt also stark davon ab, welche Kultur angebaut wird und welche Witterungsbedingungen vorherrschen. Auch die Größe der Flächen und die Möglichkeiten zur Integration in bestehende Betriebsabläufe bestimmen, ob eher einfache Stützen, hohe Gestelle oder bewegliche Systeme zum Einsatz kommen. Welche Ansätze für Deutschland besonders interessant sind, zeigt der nächste Abschnitt.
Was Deutschland aus internationalen Erfahrungen lernen kann
Für die Weiterentwicklung von Agri-Photovoltaik weltweit lohnt sich ein Blick auf die Regelungen und Bauweisen anderer Länder. Frankreich setzt mit klaren Vorgaben zur maximalen Bodenüberdeckung und zur Begrenzung der unbrauchbaren Fläche Anreize für Systeme, die die landwirtschaftliche Nutzung möglichst wenig einschränken [5][6]. Auch die Begrenzung des Ertragsrückgangs auf einen bestimmten Wert zwingt dazu, die Agri-PV-Anlage so zu gestalten, dass Ackerbau und Sonderkulturen weiter wirtschaftlich betrieben werden können [8]. In Japan zeigt das Solar-Sharing-Modell, dass einfache, temporäre Stützen die flexible Bewirtschaftung kleiner Felder ermöglichen [15]. Solche Ansätze könnten auch für deutsche Betriebe interessant sein, etwa wenn es um Sonderkulturen oder Flächen mit wechselnder Nutzung geht. Für Deutschland gibt es mit der DIN SPEC 91434 bereits einen technischen Rahmen, der die landwirtschaftliche Hauptnutzung in den Mittelpunkt stellt [10]. Die Erfahrungen aus Agri-Photovoltaik weltweit zeigen, dass klare Regeln und angepasste Bauweisen helfen, die Doppelnutzung praxistauglich zu gestalten. Welche Kulturen und Bauformen sich besonders eignen, beantworten die häufigen Fragen im nächsten Abschnitt.
Wie lange darf eine Agri-PV-Anlage in Frankreich betrieben werden?
In Frankreich ist die Genehmigungsdauer für Agri-Photovoltaik-Anlagen auf maximal 40 Jahre begrenzt.[7]
Wie viel Fläche einer Parzelle darf durch Agri-PV in Frankreich unbrauchbar werden?
Die durch die Anlage landwirtschaftlich unbrauchbar gemachte Fläche darf in Frankreich 10 % der Parzelle nicht überschreiten.[6]
Was ist beim Solar Sharing in Japan zu beachten?
Für Solar-Sharing-Anlagen in Japan ist eine befristete Umwandlungsgenehmigung nach dem Landwirtschaftsflächengesetz erforderlich.[14] Die Anlagen werden meist auf einfachen, leicht entfernbaren Stützen errichtet.[15]
Welche Regel legt in Deutschland Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung bei Agri-PV fest?
In Deutschland legt die DIN SPEC 91434 Kriterien und Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung bei Agri-Photovoltaik fest.[10]
Quellen
- nrel.gov/news (abgerufen am 15.09.2026)
- nrel.gov/news (abgerufen am 15.09.2026)
- publica-rest.fraunhofer.de/server (abgerufen am 15.09.2026)
- italy.representation.ec.europa.eu/notizie-ed-eventi (abgerufen am 15.09.2026)
- synapsun.com/en (abgerufen am 15.09.2026)
- synapsun.com/en (abgerufen am 15.09.2026)
- legifrance.gouv.fr/jorf (abgerufen am 15.09.2026)
- feedgy.solar/en (abgerufen am 15.09.2026)
- legifrance.gouv.fr/loda (abgerufen am 15.09.2026)
- din.de/de (abgerufen am 15.09.2026)
- gesetze-im-internet.de/eeg_2014 (abgerufen am 15.09.2026)
- gesetze-im-internet.de/eeg_2014 (abgerufen am 15.09.2026)
- gesetze-im-internet.de/eeg_2014 (abgerufen am 15.09.2026)
- maff.go.jp/j (abgerufen am 15.09.2026)
- maff.go.jp/j (abgerufen am 15.09.2026)


