Agri-PV in Riepholm: Ein Acker, doppelte Ernte – und die Wertschöpfung bleibt vor Ort
Die Anlage: knapp acht Megawatt auf elf Hektar Bioland-Acker
Auf 11 Hektar Ackerfläche steht eine aufgeständerte, nachgeführte Agri-PV-Anlage. Die Module drehen sich im Tagesverlauf mit der Sonne. Darunter und dazwischen bleibt die Fläche landwirtschaftlich nutzbar – und Bioland-zertifiziert.
Wie viel Strom erzeugt die Agri-PV-Anlage Riepholm?
Die Nennleistung liegt bei 7.992 Kilowatt-Peak, also knapp acht Megawatt. Kalkuliert sind im Jahresdurchschnitt rund 9,62 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von über 3.000 Durchschnittshaushalten.
Warum eine Tracking-Anlage?
Nachgeführte Module folgen dem Sonnenstand und erzeugen vor allem morgens und abends mehr Strom als starre Systeme. Gleichzeitig wandert der Schatten über den Tag, was die Kulturen darunter gleichmäßiger belichtet. Wie sich Tracker von vertikalen und hoch aufgeständerten Systemen unterscheiden, lesen Sie in unserem Vergleich der Agri-PV-Systemtypen.
Was kommt als Nächstes?
Für 2027 ist ein Batteriespeicher mit rund 10 Megawattstunden Kapazität geplant. Er speichert Solarstrom aus den Mittagsstunden und gibt ihn ab, wenn er gebraucht wird.
Agri-PV als zweites Standbein für den Bioland-Hof Wilkens
Für den Bioland-Hof Wilkens ist die Anlage ein zweites wirtschaftliches Standbein. Die
Einnahmen aus der Stromerzeugung sind planbar und unabhängig von Ernte und
Witterung. Das stärkt die Resilienz des Betriebs.
Bleibt der Acker ein Bio-Acker?
Ja. Die Anforderungen des ökologischen Landbaus an Boden und Bewirtschaftung gelten
auf der Fläche weiterhin. Der Hof Wilkens bewirtschaftet den Acker wie bisher , die
Module stehen darüber . W elche Kulturen sich unter Agri-PV besonder
Regionale Eigentümerschaft: Familie Wilkens und Bürgerenergie
Die Agri-PV-Anlage Riepholm bleibt in regionaler Hand. Betreiberin ist die Agri-PV Riepholm GmbH. Drei Viertel hält die WiRi GmbH der Familie Wilkens, ein Viertel die Bürgerenergiegenossenschaft Visselhövede eG.
Wie können sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen?
Über die Bürgerenergiegenossenschaft können sich Menschen aus der Region direkt am Projekt beteiligen. So profitieren nicht nur Hof und Investoren, sondern auch die Nachbarschaft von der Energiewende vor Ort.
Warum ist das für DoppelErnte so wichtig?
DoppelErnte entwickelt Agri-PV gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben. Ziel ist, dass die Erträge der Stromerzeugung bei denen ankommen, die den Boden bewirtschaften.
„Die Wertschöpfung aus Agri-Photovoltaik gehört in die Hände der Landwirte und Flächeneigentümer. Wer den Boden bewirtschaftet und die Fläche bereitstellt, soll auch von der Stromerzeugung profitieren. Genau dafür steht das Projekt in Riepholm: Landwirtschaft und Energieerzeugung auf demselben Acker – und beide Ernten bleiben beim Hof.“
Till Skudelny, Geschäftsführer der DoppelErnte GmbH
Von der Flächenprüfung bis zur Inbetriebnahme
Wie lief das Projekt von der Idee bis zur Anlage?
DoppelErnte hat den Bioland-Hof Wilkens über alle Projektphasen begleitet:
- Flächenprüfung: Eignung der Fläche für Agri-PV, Netzanschluss und Wirtschaftlichkeit.
- Planung: Anlagendesign, abgestimmt auf die landwirtschaftliche Nutzung.
- Genehmigung: Abstimmung mit Stadt, Landkreis und Behörden.
- Bau: Technische Planung und Errichtung durch die MaxSolar GmbH.
- Inbetriebnahme: Eröffnung mit Richtfest am 2. Oktober 2026.
Die Finanzierung übernahm die Volksbank Lüneburger Heide eG – ebenfalls ein regionaler Partner.
Eröffnung mit Vizekanzler Lars Klingbeil und über 100 Gästen
Über 100 Gäste aus Landwirtschaft, Kommunalpolitik und Energiewirtschaft kamen am 2. Oktober 2026 nach Riepholm. Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil eröffnete die Anlage gemeinsam mit Olaf Wilkens und Till Skudelny und sprach anschließend zu den Gästen.
Wer war noch dabei?
Miriam Staudte, niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, richtete ein Videogrußwort an die Teilnehmenden. Die Landtagsabgeordneten Christian Schroeder und Jörg Hillmer hielten Ansprachen. Die Bürgerenergiegenossenschaft Visselhövede erläuterte, was Energiewende in Bürgerhand bedeutet.
Was hat es mit dem Richtfest auf sich?
In Anlehnung an die Richtfest-Tradition vom Hausbau wurde die Anlage mit einem Gebet gesegnet. Bei Führungen zwischen und unter den Modulreihen erlebten die Gäste die doppelte Flächennutzung aus nächster Nähe. Ein Get-together rundete den Nachmittag ab.
Riepholm als Vorbild für Agri-PV in Niedersachsen
Agri-PV verbindet die Stromerzeugung mit der landwirtschaftlichen Nutzung derselben Fläche. In Riepholm zeigt sich, dass das auch unter den Vorgaben eines Bioland-Betriebs umsetzbar ist. Die Anlage entsteht rund 100 Meter vom Hof entfernt.[1] Das Trackingsystem richtet die Module dem Sonnenverlauf von Osten nach Westen aus.[2] Der Hof erwartet dadurch einen höheren jährlichen Energieertrag und eine stärkere Einspeisung am Morgen und Abend.[3]
Die Eigentümerstruktur ist ein weiteres Merkmal: Die Bürgerenergiegenossenschaft Visselhövede ist laut Hof mit 25 Prozent an der Agri-PV-Anlage beteiligt.[4] So bleibt ein Teil der Wertschöpfung in der Region. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das, dass sie nicht nur Strom erzeugen, sondern auch die Kontrolle über Fläche und Nutzung behalten können.
Die DIN SPEC 91434 legt Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung bei Agri-PV fest.[5] Sie umfasst Planung, Betrieb, Dokumentation und Betriebsüberwachung sowie Messkennzahlen für die Qualitätssicherung.[6] Die Norm ist kostenfrei verfügbar.[7] Sie gilt nicht für klassische Freiflächen-PV, Gewächshaus-Solar-Kombinationen oder vertikale Landwirtschaft.[8]
Wer sich für eine Agri-PV-Anlage interessiert, findet im nächsten Abschnitt Antworten auf häufige Fragen zu Standort, Technik und Betrieb.
FAQ
Fazit: Zwei Ernten, die beim Hof bleiben
Riepholm zeigt, wie Agri-PV aussehen kann, wenn Landwirtschaft und Energie von Anfang an zusammen gedacht werden. Der Bioacker bleibt ein Bioacker, darüber entsteht Strom für über 3.000 Haushalte. Und die Erträge bleiben bei der Familie Wilkens und den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.
Für landwirtschaftliche Betriebe ist das Projekt ein greifbares Beispiel: Agri-PV kann ein zweites Standbein sein, ohne Fläche aus der Produktion zu nehmen. Was am Ende der Laufzeit passiert, erklärt unser Beitrag zum Rückbau von Agri-PV-Anlagen.
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Quellen
- biohof-wilkens.de/agri-pv (abgerufen am 05.10.2026)
- biohof-wilkens.de/agri-pv (abgerufen am 05.10.2026)
- biohof-wilkens.de/agri-pv (abgerufen am 05.10.2026)
- biohof-wilkens.de/agri-pv (abgerufen am 05.10.2026)
- clearingstelle-eeg-kwkg.de/technische-norm (abgerufen am 05.10.2026)
- clearingstelle-eeg-kwkg.de/technische-norm (abgerufen am 05.10.2026)
- din.de/de (abgerufen am 05.10.2026)
- clearingstelle-eeg-kwkg.de/technische-norm (abgerufen am 05.10.2026)
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